Kopfgrafik

Hauptnavigation

Servicemenü mit Metanavigation und Suche

Ergänzende Unternavigation

Hauptinhalt

10.02.2016 21:52

Ein Dank an Ferdinand Herr

Wieder einmal hat uns unser Vorsitzender von SEARA e.V. und der SEARA-Stiftung, Ferdinand Herr, überrascht. Dieses Mal hat er uns leider auch sehr traurig und betroffen gemacht, denn er ist am vergangenen Sonntag, dem 7. Februar, gestorben. Zwar hat er in letzter Zeit mit einigen gesundheitlichen Problemen zu tun gehabt, aber sein Tod kommt gänzlich unerwartet. Entsprechend groß ist die Lücke, die er nicht nur für uns und andere Gruppen und Vereine, in denen er sich engagiert hat, sondern natürlich zu allererst für seine Familie hinterlässt.

 

Ferdi war ohne Zweifel ein besonderer Mensch. Er war kein Zauderer, sondern zupackend. Wenn er eine Idee hatte oder sich von einer Idee überzeugen und begeistern ließ, dann setzte er alles daran, diese auch zu realisieren ? und das möglichst schnell. Begeistert war er immer dann, wenn ihm eine Idee nicht nur sinnvoll, sondern ganz persönlich wichtig war. Dazu musste sie seinen Werten und tiefen Überzeugungen entsprechen, sie musste konkret die Welt ein Stück voran bringen, sie musste förderlich sein für Menschen, vor allem für Kinder und Jugendliche. Einmal für eine Idee entbrannt, krempelte er die Ärmel hoch und packte an, entwickelte Ideen, ging neue, oft überraschende Wege. Und er erreichte sehr viel. Nicht immer waren alle mit ihm einer Meinung, wenn es um die Umsetzung mancher Projekte ging, manchmal war er eigensinnig, ungeduldig und auch stur. Aber immer um der Sache willen, immer in der Überzeugung, die Dinge voran zu bringen.

 

So war es auch mit SEARA. Ohne Übertreibung: SEARA wäre ohne ihn niemals zu dem geworden, was es heute ist - sowohl hier in Deutschland als auch in Brasilien. 1988, als er erstmals ein paar Fotos sah und Erzählungen hörte von den schlimmen Lebensverhältnissen vieler unter- und mangelernährter Kinder im brasilianischen Urwaldgebiet und von den Menschen bei SEARA, die versuchten zu helfen, da entstand dieses Feuer in ihm. Heute bin ich mir sicher, dass es nicht nur seine persönliche Betroffenheit und Empörung über diese prekäre Armut der Kinder war, die ihn zum Handeln antrieb. Es war genauso der innovative und für ihn absolut schlüssige Ansatz von SEARA, durch Nutzung der überreichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen des Amazonasgebietes und die Einbeziehung der Eltern die Armut und Unterernährung der Kinder wirklich nachhaltig zu bekämpfen. Als Lehrer für Biologie und Chemie war er immer von den Naturwissenschaften begeistert, vor allem von den Möglichkeiten, die die Natur bietet, Gutes zu bewirken. Ebenso war er überzeugt davon, dass Bildung der Schlüssel zur Überwindung vieler Probleme auf der Welt ist. So passte SEARA genau zu ihm, das merkte man von Anfang an.

 

Und so legte er sofort nach dem ersten Lichtbildervortrag über SEARA im Herbst 1988 los und gewann alle Vereine und die Kirchengemeinde in Elters dafür, SEARA als ihr ?Patenprojekt? zu unterstützen. Er verstand als erster, wie wichtig es war, schnell einen gemeinnützigen Verein zu gründen, um einen ordentlichen rechtlichen Rahmen für die Arbeit zu schaffen. Damit schuf er die entscheidende Grundlage für die langfristige Entwicklung von SEARA hier in Deutschland.

 

Drei weitere bedeutende Ideen von ihm waren die Entsendung von Freiwilligen im Rahmen des Zivildienstes - heute unser so wichtiges Freiwilligenprogramm, die erfolgreiche Beantragung des DZI-Spendensiegels und nicht zuletzt die Gründung der SEARA-Stiftung "Zukunft für Kinder", die gleichzeitig als Treuhänder für die "Margot und Raimund Stiftung für SEARA" fungiert.

 

Ich gebe zu, dass ich bei allen Ideen zunächst skeptisch war und mir nicht vorstellen konnte, dass diese Dinge realisierbar wären und sehr nützlich für unseren kleinen Verein seien. Dieser Weitblick, seine Kreativität und seine Hartnäckigkeit waren beeindruckend.

 

Doch Ferdi besaß eine weitere Gabe, die ihn immer wieder erfolgreich machte, nicht nur für SEARA, sondern für viele andere seiner Initiativen auch. Es war die Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern und mitzuziehen. Voller Inbrunst beschrieb er seine Vorstellungen, begründete sie und zeigte Wege auf, wie sie umzusetzen waren. Das war überzeugend. Und dann ging es mit vereinten Kräften los. Für SEARA gewann er auf diese Weise Mitstreiter, Spender und Unterstützer. Er organisierte Benefizkonzerte, Stände, Spendenläufe, Christbaumverkauf. Aber er war sich auch für die kleineren Aktionen nicht zu schade, wenn er zum Beispiel viele Jahre lang als Nikolaus von Tür zu Tür lief und dabei Spenden für SEARA sammelte. Viele Tausend Euro hat Ferdi im Laufe der Jahre für SEARA gesammelt. Aus einer kleinen Initiative hat er einen stabilen Verein gemacht, der ganz konkret viel in Brasilien bewirken konnte.

 

Und auf die Wirkung kam es ihm letztlich an: Mehrfach im Laufe der letzten 25 Jahre stand SEARA in Brasilien vor dem Aus und konnte nur durch die Hilfe aus Deutschland weiter machen. Aus einer kleinen Holzhütte mit 20 Kindern ist eine Familienbildungsstätte für über 200 Kinder und Jugendliche mit ihren Familien geworden. Über 100 Familien, deren Häuser unbewohnbar oder weggeschwemmt waren, erhielten bei der großen Überschwemmung am Amazonas im Jahr 2009 Nothilfe in Form von Wasser- und Lebensmittelversorgung. So waren es seit 1989 viele Tausend Menschen, die über SEARA Hilfe und eine Lebensperspektive erhielten. An diesen Erfolgen hat Ferdinand Herr einen großen Anteil.

 

Ferdi liebte keine großen Reisen. Dennoch war er drei Mal vor Ort. Ich werde nicht vergessen, wie er sich 2005 beim "Länderspiel Deutschland gegen Brasilien" am Strand von Alter do Chao bei über 30 Grad als Torwart in den Sand warf und für einen 3 zu 2 Sieg für Deutschland sorgte. Das ist das Bild, das ich in Erinnerung behalten werde, wenn ich an ihn und an SEARA denken werde: Ein Mann, der unter allen Bedingungen mit Spaß, Energie und vollem Einsatz nach jedem Ball hechtet. Er hat nicht alle Bälle gehalten, aber er war 25 Jahre lang der Rückhalt, auf den man sich verlassen konnte, und am Ende bleibt ein Sieg, der ohne ihn nicht gelungen wäre.

 

Wir alle, hier in Deutschland und genauso unsere Freunde in Brasilien verabschieden uns dankbar und voller Respekt und Anerkennung von dem Mitbegründer und Zeit seines Lebens Vorsitzenden von SEARA.

 

DANKE, FERDI

 

Im Namen des Vorstandes und aller Aktiven von SEARA e.V. sowie des Stiftungsbeirates und Vorstandes der SEARA-Stiftung

 

Rainer Neubauer


Marginalspalte mit Teasern

Zu den News

Bild: Zu den News
Aktuelles