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Georg Grohmann, Sozialpädagoge, Oktober 2014

Zum Abschluss meines Freiwilligenjahres bei SEARA möchte ich berichten, wie es mir hier in Santarém, bei SEARA ergangen ist und wie ich über meinen Freiwilligendienst und die Arbeit bei SEARA denke. Zunächst möchte ich jedoch darüber schreiben, was in den Monaten seit meinem letzten Bericht (Juli) passiert ist und wie es mir in dieser Zeit ging.

 

Die letzten drei Monate bei SEARA

Nach den Ferien im Juli mussten die Kinder noch eine Woche zu Hause bleiben, da einige Umbauarbeiten bei SEARA stattfanden. Ich fragte mich, wieso dies nicht in den Ferien selbstmöglich war. Zumal einige Arbeiten auch wir Freiwilligen und andere Mitarbeiter hätten machen können, wie zum Beispiel das Streichen des Eingangsbereichs. Danach war ich sehr froh, die Kinder wieder zu sehen. Das Leben und der Trubel zog wieder bei SEARA ein. Neben der Beschäftigung mit den Kindern konzentrierte ich mich in den letzten Wochen und Monaten sehr auf die Arbeit in der Multimisturaproduktion. So fragten mich zwei studentische Freiwillige der UFOPA, ob

sie nicht eine Art Workshop über die Multimistura organisieren könnten, bei welchem Journalisteneingeladen werden sollten. Diese sollten dann in Beiträgen (Zeitung und Fernsehen) die Arbeit SEARAs und die Multimistura bekannter machen. Die Freiwilligen waren Austauschstudenten aus Kanada und der Tschechischen Republik und waren nur für kurze Zeit (ca. 2 Monate) hier in Santarém. Ich kümmerte mich daher um die Organisation hier bei SEARA und bereitete den Workshop an sich vor, die Studenten organisierten die Einladungen der Journalisten sowie sämtliche Absprachen mit der UFOPA. Durch die Sprachbarriere kam es leider zu einigen Problemen bei ihnen, so dass beispielsweise der erste Workshoptermin schließlich abgesagt werden musste, weil kein Journalist anwesend war. Trotzdem starteten wir einen zweiten Versuch eine Woche später und konnten dann zwei Fernsehteams begrüßen, deren Beiträge schließlich am nächsten Tag im Fernsehen zu sehen waren. Neben der Produktion der Multimistura stand die Frage an: Wer übernimmt meine Nachfolge nach meiner Rückkehr nach Deutschland?

Für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter haben Julika und ich Dokumente über die Multimistura gesammelt um daraus einen neuen Ordner zu erstellen, welcher in der Produktionsanlage bleiben wird. Dieser Ordner enthält alle Informationen über die Entstehung, den Nutzen und die Anwendung der Multimistura, sowie die notwendigen Schritte zur Herstellung derselben. Den Ordner verfassten wir auf portugiesisch und auf deutsch, so dass sich auch neue Freiwillige schnell orientieren können.

Nachdem ich im August noch im Garten gearbeitet habe, bat ich Narelly darum, nicht mehr regelmäßig dort arbeiten zu müssen. Der Grund dafür war eine große Unzufriedenheit bei mir, da wir bereits mehrmals Beete gesäubert und vorbereitet hatten, um den Garten rundum zu erneuern. Doch die Erneuerungsarbeiten wurden immer wieder verschoben, es fehlte an Dünger und Setzlingen, so dass ich immer wieder das Gefühl hatte umsonst zu arbeiten. Ich sagte in Bezug auf den Garten zu Narelly auch, dass ich kein Problemhabe, weiterhin Aufgaben zu übernehmen und im Garten zu arbeiten. Aber es gab einfach keine Aufgaben, da, wie gesagt, die Erneuerung des Gartens bisher immer wieder verschoben wurde.

Dafür arbeite ich seit August bei CIAFF und unterstütze zweimal pro Woche Professora Jô bei der Gruppe der älteren Kinder am Nachmittag. Diese Arbeit macht mir viel Spaß. Sowohl das Basteln, Spielen oder Lernen mit den Kindern, als auch das Sprechen mit Jô über die Kinder und die Ziele ihrer Arbeit ist sehr interessant für mich und so bin ich immer sehr gern dort.

 

Das Leben außerhalb SEARAs

In den letzten Wochen und Monaten waren Julika und ich noch viel unterwegs. So machten wir an den Wochenenden Ausflüge nach Fordlândia, Belém, an verschiedene Strände mit SEARA Mitarbeitern und natürlich auch nach Alter-do-Chão, wo wir ein Wochenende lang blieben. Wir erlebten außerdem das Sairé-Fest und kleinere Feste und Partys in Santarém. Obwohl allein die Region um Santarém so groß ist, konnten wir doch sehr viel kennenlernen, wofür ich sehr dankbar bin.

Seit einigen Wochen treffen wir uns außerdem mit einem Studenten, der Deutsch lernen will. Mit ihm reden wir dann über alles Mögliche und lernen so voneinander.

 

Mein freiwilliges Jahr im Rückblick

Die ersten Monate waren ziemlich schwer für mich, was einerseits an der Sprache lag und andererseits an der Situation bei SEARA. Es war damals vieles im Umbruch, es gab eine neue Leitung und die musste sich selbst erst in alles einarbeiten. Ich hätte mir hier, gerade in meiner Anfangszeit, aber jemanden gewünscht, der sich wirklich um mich kümmert, als Ansprechpartner da ist und mir Dinge erklärt, die mit SEARA oder auch beispielsweise mit der Lebensweise hier zu tun haben. Für eine solch intensive Einarbeitung und Betreuung war aber gerade da nicht ausreichend Zeit. Mir ist bewusst, dass ich dies auch mehr hätte einfordern müssen, aber ich habe mir dann meinen Weg halt alleine gesucht. Wenn akute Probleme bestanden (wie zum Beispiel Krankheit, was zum Glück nur selten vorkam), war jedoch immer jemand da, der half.

Nachdem ich dann meine Aufgaben gefunden hatte, war ich zufrieden und so fiel es mir dann auch leichter, meinen Platz bei SEARA zu finden und richtig anzukommen. Durch die Arbeit im Garten und in der Multimisturaproduktion hatte ich zunächst leider wenig Zeit mit den Kindern zu arbeiten, was ich schade fand. Trotzdem habe ich, wenn möglich, immer versucht mich mit ihnen zu beschäftigen und zu spielen. Durch die Arbeit bei CIAFF kam ich schließlich doch noch zu einem engeren Kontakt mit einigen Kindern, was, wie ich ja schon geschrieben habe, mir viel Freude bereitet.

Die Betreuung durch SEARA in Deutschland während meiner Dienstzeit sehe ich differenziert. Auf der einen Seite fand ich das Zwischenseminar hier vor Ort sehr gut. Es tat mir gut, mich auszusprechen und Dinge für mich selbst ein zu ordnen.. Die Situation, welche wir Freiwilligen hier bei SEARA vorgefunden haben, ist sicherlich eine ganz andere, als dies sonst der Fall gewesen ist. Soweit ich das jetzt einschätzen kann, haben sich einfach so viele Dinge geändert, dass man es schwer mit der Situation noch vor zwei Jahren vergleichen kann. Ich hätte mir diesbezüglich mehr Kontakt mit SEARA Deutschland gewünscht. Aber im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass auch einige Emails bei mir nicht angekommen sind, und ich habe daraus den Schluss gezogen, dass das Interesse an mir und meinem Dienst nicht so hoch war. Das hätte ich sicherlich auch anders machen können, zum Beispiel öfter mal nachfragen.

Das Leben im Freiwilligenhaus war ja quasi in zwei Epochen geteilt. Von November bis Mai haben wir zu dritt gewohnt, nach Angelas Heimreise dann nur noch zu zweit. Julika und ich mussten uns erst einmal zurecht finden, für uns war es ja auch eine neue Situation zusammen zu wohnen. Dies hat aber gut funktioniert. Auch haben wir immer mal etwas zu dritt gemacht, auch wenn ich doch sagen muss, dass unsere und Angelas Interessen oft nicht die gleichen waren. Das Zusammenleben und Dinge wie die Organisation im Haus haben aber gut funktioniert. Ich hätte mir gern noch jemand neues hier gewünscht, nachdem Angela nach Deutschland zurückgekehrt ist. Leider aber gibt es bis jetzt keine neuen Freiwilligen. Für mich war es dann immer eine schöne Abwechslung, wenn wir mal Besuch aus Deutschland bei uns hatten, was zweimal der Fall war. Dann kreisten unsere Gedanken nicht immer nur um uns und es kamen leichter neue Themen auf.

Ich hatte es nicht erwartet, dass es mir so schwer fallen würde, hier Freundschaften zu schließen. Natürlich habe ich viele Leute kennengelernt. Mir hat es aber sehr gefehlt, regelmäßig etwas gemeinsam zu machen, zu unternehmen oder sich einfach nur zu treffen. Das heißt nicht, dass ich wenig unternommen habe. Aber es bedurfte doch immer unserer Initiative um sich zu treffen, sodass sich ein Gefühl der Gewohnheit bei mir nicht einstellte. Trotzdem bin ich sehr froh über die

Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Sowohl Mitarbeiter von SEARA, mit denen wir uns immer wieder auch außerhalb der Arbeit getroffen haben, als auch Freunde außerhalb SEARAs haben meine Zeit hier sehr bereichert.

Das brasilianische Essen war ein großes Thema für mich. Ich habe schon immer gern gekocht und war entsprechend neugierig, was ich hier in Brasilien kennenlernen würde. Aber auch durch meine vegetarische Ernährung war es ein völlig neues und ungewohntes Erlebnis für mich. Es hat etwas gedauert bis ich mich diesbezüglich hier zurecht gefunden habe. Heute weiß ich schon gar nichtmehr, wie ich ohne Farinha, Açaí und Pão de Queijo leben soll. Egal ob wir zu Hause gekocht haben oder unterwegs etwas gegessen haben ? ich habe unglaublich viel Neues kennengelernt und ausprobiert. In einem Jahr habe ich natürlich viel über das Land und die Leute hier gelernt. Ich mag dabei den Begriff der (hier: brasilianischen) Kultur nicht so sehr, weil dies doch immer eine Verallgemeinerung ist. Doch über die Menschen, welche ich kennenlernen durfte, habe ich natürlich auch etwas über Brasilien gelernt. Viel beschäftigt hat mich der große Widerspruch zwischen Armut und Reichtum, sowie das Problem Armut reduzieren zu wollen und dabei zu Lasten der Umwelt zu handeln (welches irgendwann wieder Armut und Not schaffen wird). Ich bin beeindruckt von der Kraft und Ausdauer vieler Leute, welche sich ein besseres Leben erarbeiten möchten. Ebenso schön zu erleben fand ich die Fröhlichkeit vieler Menschen, welche trotz Problemen kaum einmal zu weichen scheint. Bedrückend empfand ich die oft vorhandenen Vorurteile gegenüber Indigenen. Aber auch die Meinung über die Armen, welche nur die Bolsa Família (das Familiengeld) ausnutzen würden habe ich oft gehört. Solche Vorurteile sind meiner Meinung nach gefährlich für das Vorankommen des Landes und den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

 

Die Organisation SEARA in Brasilien

Ich möchte zum Schluss noch kurz beschreiben, was durch dieses mein Eindruck von der Organisation SEARA Jahr ist. SEARA hat mittlerweile eine lange Geschichte in Santarém und hat hier einen bleibenden und positiven Eindruck hinterlassen. Dies konnte ich oft feststellen, wenn ich mich mit Menschen in der Stadt unterhalten habe. SEARA ist sehr bekannt und die Arbeit wird von Außenstehenden sehr positiv bewertet. Die MitarbeiterInnen von SEARA kümmern sich sehr um die Kinder und so hat mich vor allem die Arbeit der Professoras sehr beeindruckt. Diese arbeiten Tag für Tag mit nicht immer einfachen Kindern. Trotzdem habe ich immer eine hohe Motivation und Freude an der Arbeit bei ihnen erlebt.

Durch die beiden Wechsel in der Leitung von SEARA in diesem Jahr ist die Situation derzeit sicherlich nicht einfach. Die Ziele (z.B. gute und gesunde Ernährung, Eltern in die Arbeit einbinden und teilhaben lassen, Bildung der Kinder und Eltern als Basis für eine Verbesserung der persönlichen Situation) sind zwar vorhanden und werden auch oft betont, doch hatte ich das Gefühl, dass sie wieder mehr mit Leben gefüllt werden müssen. Ich denke, dass dies ganz normal ist in Zeiten des Umbruchs. Ich wünsche es SEARA, den MitarbeiterInnen und vor allem den Kindern und Familien, dass SEARA es schafft diese Ideale wieder ein Stück zu intensivieren und in die Arbeit zu integrieren.

Am Ende möchte ich noch sagen, dass ich trotz aller Probleme, Schwierigkeiten und Herausforderungen, die ich im Ansatz beschrieben habe, dieses Jahr auf keinen Fall missen möchte. Insgesamt war es für mich persönlich ein schönes Jahr, in dem ich mich weiterentwickelt habe, in welchem ich viel gelernt habe und in dem ich ein wunderschönes Land mit vielen Facetten kennenlernen durfte. Daher bin ich glücklich, mich für dieses Jahr und auch für SEARA entschieden zu haben.

Mai 2014 - Julika

Ein halbes Jahr in Santarém ist schon vorüber und ich kann es kaum glauben. Vor allem die letzten Monate vergingen wie im Flug und mich hat zeitweise schon etwas die Panik gepackt, dass auch die zweite Halbzeit so an mir vorüberfliegt.

Alles in allem sehe ich das aber auch als ein gutes Zeichen, da sich nach dem Zwischenseminar viel für mich zum Positiven verändert hat, vor allem in der Arbeitssituation, die ich auch als erstes näher beschreiben möchte.

1. Meine Arbeitssituation bei SEARA

Die größte Veränderung also und diejenige, die mich am meisten freut, fand für mich bei SEARA selbst statt. Ich habe eine gut ausgelastete Woche bei SEARA, bin sehr glücklich mit meinen Aufgaben und es gibt jede Menge zu tun. Direkt nach der Orientierungsphase wurde der Plan, den ich zusammen mit Petra erarbeitet habe umgesetzt und hat sich bisher auch nicht großartig verändert. Ich arbeite hauptsächlich mit Regina zusammen, übernehme die Fahrten zusammen mit den Kindern ins Labor, arbeite hauptsächlich Nachmittags im Garten, helfe jeden Freitag in einer Gruppe bei João-de-Barro und unterstütze einmal pro Woche die Bäcker in der SEARA-Bäckerei. Jetzt nach unserem Urlaub werde ich jedoch aufgrund einiger Änderungen und Nachfragen etwas umplanen müssen, was ich noch näher beschreiben werde.

1.1 Labor und Homöopathie

Die meiste Zeit bei SEARA verbringe ich mit Regina und werde oft mit den Worten ?Julika, wir haben heute viel zu tun? begrüßt, was mir schon ein gutes Gefühl gibt. Zusammen mit den Eltern der Kinder, die untersucht werden, fülle ich den Untersuchungsbogen aus und wir fahren dann zusammen zur Fundação Esperanca. Seit ein paar Wochen nur noch zweimal anstatt dreimal die Woche, da das Benzingeld knapp ist. Zurück bei SEARA gibt es dann für diese Kinder ein verspätetes Frühstück. Im Anschluss verteile ich dann an alle Gruppen Xarope, das von den meisten Kindern geliebt wird und mit Vorbereitung und Abwasch relativ zeitintensiv ist. Im Anschluss ziehen Regina und ich uns meistens ins Büro zurück und stellen homöopathische Medizin her. Ich habe schon viel von Regina gelernt und da ich sowieso interessiert an dieser Thematik bin, macht es mir gleich doppelt Spaß. Vor allem in der Regenzeit werden Mittel gegen Erkältung und einfachen Schnupfen gebraucht, Regina stellt aber auch Medizin her beispielsweise gegen Depression oder Rheuma. Für wenig Geld können sich auch die Eltern oder Verwandte bei ihr behandeln lassen. Außerdem hat sie mir beigebracht, wie man Xarope herstellt und welche Pflanzen man aus dem Garten dafür benötigt, die fast alle bei SEARA angebaut werden. Regina erklärt mir während der Zusammenarbeit viel über ihre Aufgaben und auch über SEARA und sie hat auch immer etwas für mich zu tun, was mich zum Teil auch bis Nachmittags beschäftigt. Ich werde auch noch weiterhin mit ihr Zusammenarbeiten, seit neuestem hat sie jedoch noch zwei weitere brasilianische Freiwillige, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe und wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt. Neben den alltäglichen Aufgaben mit Regina werden auch öfter Kurse von ihr durchgeführt oder vorbereitet, außerdem gibt es diverse Aktionen rund um das Thema Gesundheit. Bei diesen Veranstaltungen helfe ich ihr dann in den Vorbereitungen, bin Ansprechpartner für die externen Fachkräfte und darf auch selber mit teilnehmen. Besonders lange haben wir den Gartenkurs für die Eltern vorbereitet, den Georg und ich mitbetreut haben. Die Eltern haben gelernt zu pflanzen, zu düngen und Dünger aus natürlichen Stoffen herzustellen, wie zum Beispiel Pfeffer, Knoblauch und Chilli. Auch der Gesundheitstag für die Kinder und deren Familie war ein voller Erfolg. Für die Kinder ging es an diesem Tag hauptsächlich um Zahnhygiene und Zahnreinigung und die Eltern konnten bei verschiedenen Vorträgen zuhören, einen Zuckertest machen, sich wiegen und messen lassen oder sich kostenlos massieren lassen. Da oft solche Aktionen bei SEARA angeboten werden kommt auch immer Abwechslung in die eigenen Aufgaben.

1.2 Gartenarbeit

Nachmittags bin ich dann meistens im Garten zu finden. Außer Georg und mich gibt es momentan niemanden, der sich richtig um den Garten kümmern kann und da während der Regenzeit auch ziemlich viel verdorben ist, ist die Arbeit im Garten dementsprechend zeitintensiv. In den vier Wochen, die wir nicht da waren ist der Garten ziemlich verwildert und vertrocknet, wir können also mit dem bepflanzen wieder von vorne beginnen. Das ist ein wenig frustrierend, vor allem da man daran schon erkennt wie nachhaltig die eigene Arbeit hier sein wird. Trotzdem bin ich gerade voller Tatendrang und wir sind schon am planen wie es weiter gehen soll. Wir haben vor zusammen mit Regina einen neuen Plan zu entwerfen, was die Küche wirklich verwendet und was man relativ leicht pflegen kann und uns eventuell selbst um neue Samen und Setzlinge kümmern. Auch mein "Verschönerungsplan" des etwas farblosen Gartens steht noch und da die Regenzeit nun langsam aber sicher abklingt, können die Pläne auch endlich umgesetzt werden. Ich hoffe nur, dass auch genügend Zeit für alles bleibt. Da im Monat Juli allerdings Ferien sind, könnte der Garten mein oder unser Ferienprojekt werden.

1.3 Gruppe bei João-de-Barro

Bisher habe ich jeden Freitag in der Gruppe D mitgeholfen. Es war zwar auch die Idee der Rotation aufgekommen, aber mir war es erstmal wichtig einen engeren Kontakt zu Kindern und Professoras zu bekommen, so dass ich mich dafür entschieden habe, mich auf eine Gruppe festzulegen. Es macht mir Spaß mit den Kindern zu spielen und da sie merken, dass die Freiwilligen sich eher dazu breitschlagen lassen sie wieder und wieder in die Luft zu werfen und hochzuheben, ist man natürlich auch ein gern gesehener Gast in den Turmas. Auch meine große Eierfärbe-Aktion zu Ostern war ein voller Erfolg. Die Kinder und die Professoras waren begeistert und fast kein Kind konnte sich zurückhalten (trotz Eierschale) beherzt in das gefärbte Ei zu beißen. Neben dem Spaß mit den Kindern ist es für mich auch interessant die Arbeitsweise der Professoras genauer zu beobachten, wobei ich sagen muss, dass die Herangehensweise und Kreativität in den verschiedenen Gruppen sehr unterschiedlich ist. Ich würde in keinem Fall sagen schlecht, aber die Motivation ist bei einigen schon mehr spürbar als bei anderen.

1.4 Veränderungen in der Arbeitssituation

Vor dem Urlaub wurde ich von Narely gefragt, ob ich nicht in der Gruppe F bei João-de-Barro aushelfen könnte, da dort Vor- und Nachmittags nur eine Professora arbeitet. Zur Zeit sind Gil und Narely auf Weiterbildung, aber ich habe vor den Bedarf noch einmal abzuklären und dafür eventuell in der Bäckerei aufzuhören. Es gibt nun einen neuen Bäcker und einen neuen Chef der Bäckerei und ich habe das Gefühl, dass ich dort am ehesten aufhören kann, um mehr bei den Kindern auszuhelfen. Der Kontakt zum Bäcker Claudio und seiner Frau, die endlich ihr Baby bekommen hat, ist richtig gut und wir sind diese Woche noch zum ersten Babybesuch eingeladen. Außerdem werde ich vorerst für den Monat Juni zwei- bis dreimal in der Woche Nachmittags bei CIAFF arbeiten, da Professora Jo schwanger ist und sie gerne Unterstützung möchte. Im Moment geht es ihr nicht sonderlich gut und wenn sie sich kurz zurückziehen muss, möchte sie gerne noch jemanden da haben, der bei den Kindern bleibt. Im Juli sind ja erstmal Ferien und danach müssen wir einfach schauen wie sich das entwickelt.

1.5 Fazit

Die Arbeitssituation hat sich für mich sehr verändert. Ich bin glücklich mit den Aufgaben, ich bin glücklich, dass es so viel zu tun gibt und vor allem bin ich glücklich, dass große und kleine Anfragen kommen, ob ich dies und das tun könnte. Ich fühle mich einfach als Mitarbeiter bzw. Teil von SEARA. Hinzu kommt, dass auch der Kontakt zu anderen Mitarbeitern enger geworden ist, man Ansprechpartner hat und diese Zurückhaltung auch von Seiten der Mitarbeiter verschwunden ist. Auch mit Gil und Narely habe ich ein besseres Gefühl, obwohl vor allem der Kontakt zu Gil sehr sporadisch ist. Ich weiß jedoch, dass die Türen für mich offen stehen und fühle mich wohl. Ansonsten wird sich doch noch einiges ändern und diesmal muss ich eher aufpassen, dass es nicht zu viel wird, anstatt zu wenig. Man merkt eben doch, dass eine Freiwillige nun fehlt.

2.Sprache

Mit der Sprachentwicklung läuft es auch immer besser. Ich werde auch weiterhin zum Professor Renato gehen und mit ihm üben, übersetzen und Grammatikfragen klären. Er hat schon angedeutet, dass es auch ausreichend wäre, wenn wir es auf einmal die Woche zurückschrauben. Ich glaube auch, dass es für ihn ganz sehr viel war, da er ja vier Monate lang fünf Tage am Stück mit uns drei Freiwilligen beschäftigt war. Wir kaufen uns auch immer fleißig brasilianische Zeitschriften und haben uns einige Filme auf portugiesisch ausgeliehen, was auch eine richtig gute Übung ist. Es ist noch lange nicht perfekt, aber ich bleiben dran. Dazu kommt, dass mich eine Bekannte fragte, ob ich ihr einmal die Woche Deutschunterricht geben kann. Sie kann schon etwas mehr als die Basics und ich denke, dass das auch für mich wiederum eine gute Übung ist ihr auf portugiesisch die deutsche Sprache zu erklären und Fragen zu beantworten.

3. Freizeit

Wie bereits angedeutet ist der Kontakt zu einigen Mitarbeitern von SEARA enger geworden, das heißt auch, dass wir außerhalb der Arbeitszeiten mehr Zeit miteinander verbringen. Ob am Strand, in der Bar oder bei uns am Grill. Auch außerhalb der Arbeit steigen die Kontakte langsam, aber stetig an. Da geht man gemeinsam Shoppen, Eis essen oder trifft sich an der Orla. Dazu kommt, dass es immer noch viel zu entdecken gibt. Wir haben beispielsweise an einem Ausflug der Universität teilgenommen und haben mit den Studenten den kleinen Berg in Alter-do-Chão bestiegen. Auf dem Gipfel gab es dann Referate und einen Vortrag des Professors über Gesteinsablagerungen des Amazonas. Mein persönliches Highlight war die Geburtstags-, bzw. Abschiedsfeier von Angela, Georg und mir. Es kamen so viele Leute und wir haben stundenlang, trotz Stromausfall, zusammengesessen, gegrillt und gefeiert. Direkt von der Party ging es dann für Georg und mich in den ersehnten Urlaub. Wir haben uns von Salvador aus die Küste hochgearbeitet, sind gewandert und geritten, haben uns an den Strand gelegt und die Küstenstädte erkundet. Brasilien hat einfach so viel zu bieten und so viele unterschiedliche Facetten, ich war wirklich beeindruckt. In Pernambuco hat uns leider der Polizeistreik erwischt und obwohl wir uns ins Hostel zurückgezogen hatten, wurden wir genau dort überfallen. Mit etwas Ärger am Hals und viel Wut im Bauch ging es für uns dann trotzdem weiter und letztendlich sind wir froh, dass uns nichts passiert ist. Obwohl wir jetzt keine Bilder mehr vom Urlaub haben, bleibt er für mich auf jeden Fall unvergesslich.

4. Ausblick

Die Rückkehr vom Urlaub war zu Beginn etwas komisch, ein bisschen wie ein neues Ankommen in Santarém. Hinzu kommt auch, dass wir seit neuestem nur noch zu Zweit sind, was wir auch bestimmt gut hinbekommen und trotzdem ist es schade, dass niemand neues gefunden wurde. Nachdem bei SEARA aber viel los ist und ich nach nur zwei Tagen schon wieder so eingespannt bin, fühle ich mich schon wieder angekommen. Jetzt stehen erst einmal alle Zeichen auf WM, wofür auch schon fleißig Straßen und Häuser in gelb/grün angestrichen werden und das Festa Junina steht auch vor der Tür. Ich freue mich also auf die nächsten Wochen und hoffe, dass sie nicht allzu schnell vorübergehen.

Julika

Anna, ab September 2009

Dezember 2009: Am 09.09.09 in Santarém angekommen, verbrachten Wolfram und ich vollkommen ermüdet und doch noch zu neugierig, um schlafen zu gehen, nach einer herzlichen Begrüßung die erste Nacht im "Zivihaus" mit erzählen und zuhören, was der schon erfahrenen Freiwillige Thomas uns berichtete. Nach einigen Tagen der Eingewöhnungszeit, die noch mit sehr vielen offenen Fagen und Erwartungen an das Ungewisse versehen waren, fing auch schon die erste Arbeitswoche an.

Der Plan war: 6 Uhr da sein und erst einmal sauber machen, dann nach Absprache mit meinem Mitstreiter Wolfram entweder von 8 bis 12 Uhr oder von 12 bis 16 Uhr in der Küche arbeiten und im Endspurt noch die Kinder an der vorderen Pforte verabschieden.

Die Zeit in der Küche, unter der Herrschaft von Eliete oder Rosiane, war bis auf einige Sprachschwierigkeiten nach 3 Wochen erfolgreich beendet. Die Aufgaben, die in der Küche anfielen waren: viel Geschirr waschen, sauber machen der Armaturen, schneiden von Gemüse und Blättern...
Nach den ersten drei Arbeitswochen hatten wir erst einmal eine Versammlung, mit Carolina und Lenice, unseren Mentorinnen. Zuerst wurde ein Rückblick und eine Auswertung der vergangene Zeit gemacht und danach wurde geklärt, wie der weitere Verlauf unserer Tätigkeit bei SEARA aussehen soll.

Wir vereinbarten in einem Rotationssystem jede Kindergartengruppe einen Tag lag kennen zu lernen. Dies sollte ca. einen Monat lang gemacht werden. Angefangen bei der jüngsten Gruppe beobachtete ich erst die Tätigkeiten und nach einiger Zeit, als das Gefühl der Sicherheit im Umgang mit den Kleinen langsam kam, unterstützte ich die Kindergärtnerinnen so gut es ging.

Anfangs fiel es mir noch schwer in den gewohnten Tagesablauf rein zu kommen, vor allem, weil er in jeder Gruppe auch altersbedingt anders ist. Natürlich schwand es mit der Zeit, da dass Grundlegende doch ähnlich ist. Essen, singen, spielen oder malen, duschen, erneut essen und dann schlafen; so ist die grobe Zusammenfassung des täglichen Programs.
Nach dieser Phase hatten wir wieder ein Zusammentreff mit Lenice und Carol, in dem beschlossen wurde,  dass ich nun länger in einer Kindergartengruppe aushelfen soll, da die Erzieherin  schwanger ist und nun Schwierigkeiten hat im Umgang mit den Kindern. Außerdem wurden die ganze Zeit hindurch Visiten bei den Familien durchgeführt und anschliessend Berichte geschrieben, auch für das Patenschaftsprogramm in Deutschland.

Das 1. Viertel ist rum und vom Gefühl her geht es mir wirklich gut, nicht zuletzt sind das Arbeitsklima, Personal und meine tollen Mitbewohner dafür verantwortlich.

März 2010: Ein halbes Jahr ist rum und ich kann es kaum fassen, wie schnell das ging.  Gleichzeitig stimmt mich das ein wenig melancholisch.
Ich bin wirklich gerne hier. Die Arbeit, die ich hier mache, macht mir Spaß.
Momentan bin ich sehr viel mit Streicharbeiten beschäftigt. Da gehört alles mögliche rein. Angefangen hat das alles mit einem Flur in der Tagesstätte João de Barro.

Die Idee war, einen Fluss entlang des Flurs zu malen mit einer Unterwasserwelt. Ich war anfangs etwas ängstlich und habe mich nicht entschliessen können endlich mal anzufangen (das bemerke ich schon seit ich hier bin, dass es mir schwer fällt den Stein ins Rollen zu bringen, aber sobald der Start gemacht ist, klappt alles recht gut.)

Aber dann lief alles prima. Auch einige Wände im Jugendprojekt CIAFF mussten gestrichen werden und es fehlt immer noch nicht an Wünschen, die mir offen gelegt werden. Sogar Anfragen bei Familien zu Hause zu streichen wurden gemacht. Es wurden Projekte ins Leben gerufen, sowie das Streichen mit den Pec-Kindern oder mit freiwilligem Personal an einem Samstag. Einige Male wurde ich aus meiner Arbeit herausgerissen, um in den Kindergruppen auszuhelfen, da Personal gekündigt hat und für die Übergangsphase noch niemand da war. Ab und an habe ich den Pädagoginnen bei ihren Tätigkeiten geholfen. Da fiel das gestalten des neu errichteten Spielraums rein oder Bastelarbeiten, die in der Gruppe einfach schneller und lustiger sind.Meine Tätigkeiten waren meist in Versammlungen mit Lenice und Carol besprochen worden. 

Ich hatte nun auch mein Zwischenseminar, das den Dong zur zweiten Runde gibt. Jetzt nochmal so lang... Ich würde so gerne einfach mal so für mich selber dieses Gefühl aufschreiben, diese glückliche Traurigkeit, dieses traurige Glück. So wie ich dem Tag meiner Ankunft in Deutschland entgegen fiebere, so sehr sträube ich mich auch dagegen.   

Juni 2010: Die Halbzeit fing bei mir erst einmal mit meinem Zwischenseminar an. Wir sprachen über unsere Schwierigkeiten als Fremde , die nach einer Zeit zu Freunden werden;  über's Loslassen, Behalten und das Genießen.  Es war sehr wichtig, dass jemand da war, mit dem ich reden konnte.

Die Woche nach dem Zwischenseminar hatte ich meinen ersten Biojóias- Kurs (ein Kurs zum Erlernen Bioschmuck herzustellen). Im Voraus besorgte ich erst einmal alle Materialien; einheimische Samen (Açai, Lagrimas da nossa Senhora, etc), Palmenfäden...Der Kurs dauerte 5 Tage, die genutzt wurden, um Schmuck herzustellen, der später verkauft werden soll, z.B. am SEARA Weihnachtsmarktstand in Deutschland.
Die Osterfeiern bei beiden Projekte, der Tagesstätte und dem Schulkinder- und Jugendprojekt wurden mit viel Liebe geplant, so dass die Osterzeit unvergessen bleibt.

Die Woche darauf waren Hausvisiten mit den Erzieherinnen angesagt. Wir besuchten die Kinder dem Alter nach. Jeden Tag war die nächst ältere Gruppe dran. Da wir Freiwilligen Dienstags und Donnerstags versuchen regelmäßig an Capoeira teilzunehmen, war die körperliche Anstrengung in dieser Woche sehr groß.

Dann kam auch schon die Zeit, der Vorbereitung für den Muttertag, in der ich die Jugendlichen begleitete. Bei Programa Jovem, das jeden Samstag statt findet, wurde ein Theaterstück eingeübt. Unter der Woche bastelten die Jugendlichen mit mir zusammen Blumen und Karten.
Abends besuchten wir fast jeden zweiten Tag die Familien, die am Patenschaftsprojekt teilnehmen, füllten den Fragebogen aus, observierten die Situation des Kindes innerhalb der Familie, des Hauses und schossen  noch ein Foto.

In dieser Zeit (um in chronologisch richtiger Reihenfolge zu bleiben) haben wir mit Carol in unserer Freizeit einen Wochenendausflug nach "Vale do Paraiso", zu den Wasserfällen gemacht.

Danach begann mein Streichprojekt mit den Kindern von PEC. Zuerst zeichnete ich Rechtecke an die Außenwand von CIAFF, in die die Kinder ihre kleinen Kunstwerke reinzeichnen sollten.

Dann begann der Geburtstagsstress für mich und Dominik. Es stellte sich die Frage: "Wie soll ich meinen Geburtstag hier feiern?" Die Situation ist eine ganz andere. Mit wem kann ich rechnen? Wer hilft mir? Doch wie ich im Nachhinein finde haben wir beide das mit Bravur gemeistert.

Jede dritte Woche war ich in den vergangenen drei Monaten morgens in der Kinderkrippe an Stelle von Leni, der Putzkraft, die operiert wurde und die sich erst einmal erholen muss. Da war es meine Hauptaufgabe für die Ordnung der Kinderkrippe zu sorgen. Auch in den Wochen bei CIAFF war ein großer Teil meiner Arbeit das Saubermachen. Ende Mai besuchte ich Abends einen Curso de Automaquiagem (Schminkkurs) an einer Art Hochschule. Letzte Woche gab ich meinen zweiten Biojóias- Kurs, diesmal nahmen nicht nur Jugendliche, sondern auch Mütter von den SEARA Kindern teil. Letzten Freitag war das Fest "Junina" (Midsommerfest), den ganzen Tag bis zum frühen Abend wurde vorbereitet und am Abend haben wir im bunten Treiben gefeiert. Am gleichen Tag ging auch die Fussball Weltmeisterschaft los, die hier ein Event der Superlative ist. Die Straßen sind komplett in die Farben grün- gelb getaucht. Die tristen Häuser sind nicht wiederzuerkennen.Der alte Arbeitsplan ist während der Ferien der Kinder nicht realisierbar, deshalb haben wir jetzt einen persönlichen Monatsplan mit täglichen Aufgaben bekommen. Jetzt wollen wir mal sehen, wie das klappt...  

João, seit 1. August 2008

Santarém, den 06.12.2008

Seit ich am 1. September 2008 hier in Santarém angekommen bin, sind inzwischen drei Monate vergangen - Zeit für meinen ersten Zwischenbericht.
Das Erste, was mir auffiel, als ich das Flugzeug verließ und das erste Mal in die brasilianische Sonne trat, war, dass ich mir die Hitze schlimmer vorgestellt hatte, als sie mir nun erschien. Doch sollte ich in den folgenden Wochen eines Besseren belehrt werden. Am Flughafen wurde ich von meiner Chefin Lenice und meinem, damals schon seit 8 Monaten in Santarém tätigen, Mitvoluntario Max abgeholt. Mein Dolmetscher für die Anfangszeit, da mein Portugiesisch, wie erwartet, sich als so schlecht herausstellte, dass ich praktisch nichts verstand und nur wenig sprechen konnte.

Jetzt, am Ende meines dritten Monats, sind meine Sprachkenntisse zwar immer noch schlechter, als ich es mir wünschen würde, aber eine Verständigung ist möglich, und das meiste Gesprochene verstehe ich. Die Sprachbarriere erschwerte mir zwar die Kommunikation mit Kollegen etc., hinderte mich aber nicht bei meiner Arbeit in der Küche von SEARA, in der ich den ersten Monat tätig war. Meine Aufgabe dort bestand weitestgehend aus Gemüseschneiden und Abwaschen. Außerdem sollte ich ein Buch darüber anfertigen, was es jeden Tag zu Essen gab und welche Pflanzen in der Küche von SEARA verwendet werden.

Nach ca. einem Monat wurde ich von Lenice aufgefordert, in jeder Turma (Kindergartengruppe) einen Tag zu verbringen, um Gesichter kennenzulernen und zu erfahren, ob mir die Arbeit mit den Kindern liegt und gefällt. Ich bin daraufhin in den zwei Turmas der ältesten Kinder bei SEARA (fünf bis sechs Jahre alt) geblieben. Gerade eine Turma ist besonders schwierig, da einige der Kinder ihre Kollegen häufig schlagen und viel Energie haben. Ich versuche nun mit den Kindern zu spielen, sie körperlich auszulasten, damit sie ausgeglichener sind. Deswegen probiere ich gerade verschiedene Spiele und Spielformen mit den Kindern durch, um zu sehen, was sie schon können und wo Probleme auftauchen.

Neben dem morgendlichen Putzen zweier Turmas und dem Kehren des Spielplatzes, von 6 bis 8 Uhr, sieht so im Moment meine Arbeit aus, wenn nicht gerade etwas Besonderes ins Haus steht und alle Stühle des großen Speisesaals geputzt werden müssen oder Visiten bei den Kindern zu Hause auf dem Plan stehen.

Nachdem dann von 16 bis 18 Uhr alle Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden und glücklicherweise keines vergessen wurde, schließen die Voluntários alles zu, aktivieren den Alarm und gehen dann in der Abenddämmerung nach Hause.

Was ist bis jetzt Besonderes passiert?
In meiner zweiten oder dritten Woche fand in Brasilien die "Semana de Pátria" statt, die Woche des Patriotismus würde man vielleicht übersetzen. Eine Woche, in der jeden Morgen erst die Brasilienhymne, gefolgt von der Hymne Santaréms und als Letztes die SEARA-Hymne gesungen wurden. Danach sprach immer ein Vertreter einer offiziellen Stelle über verschiedene Themen, von denen ich aber aufgrund meiner Portugiesischkenntnisse, und die anwesenden Mütter aufgrund ihrer hungrigen Kinder fast nichts mitbekamen, da diese Aktion immer vor dem Frühstück stattfand.

In der "Woche des Kindes" ("Semana da criança") bekam SEARA dann Besuch vom Rotary Club, den unser Chef, Omena, für SEARA gewinnen konnte, und anderen sozialen Vereinen, die die Kinder mit einem Clown und nach einem kleinen Programm mit Süssigkeiten, Geschenken und einmal sogar einem Riesentrampolin beglückten.

 Während meiner ersten zwei Monate lief in Santarém gerade die Bürgermeisterwahl, die alle vier Jahre stattfindet. Den Wahlkampf hier kann man absolut nicht mit dem unsrigen vergleichen. Hier fahren den ganzen Tag, von Früh bis Spät in die Nacht Lautsprecherfahrzeuge, die den jeweiligen Kandidaten mit Samba- oder Forrorythmen unterlegten Wahlprogrammen anpreisen, durch die Straßen. Nach ein paar Wochen kann man dann die Hälfte der Slogans auswendig, und das monotone Gedudel geht einem auf die Nerven, da man so keinen ordentlichen Mittagsschlaf halten kann. Ein anderer Unterschied zu einer Wahl in Deutschland ist, dass ein Kandidat neben seinem Namen mit einer Nummer versehen ist, z.B. der ehemalige Bürgermeister Lira Maia hatte die 25. Jetzt kann ich, wenn ich nicht lesen kann, was nicht so selten vorkommen soll, einfach alle Vereadores (Stadträte) wählen, deren Zahlencodes mit 25 beginnen, da sie Lira Maia unterstützen. So prägen sich die Leute vor einer Wahl die Zahlenkombination ihres Bürgermeisterkandidaten und der entsprechenden, ihn unterstützenden Vereadores ein. Dann, einen Tag vor der Wahl, herrscht ein komplettes Alkoholverbot, und am Wahltag selbst darf keine Wahlwerbung mehr betrieben werden. Am Ende hat die amtierende Bürgermeisterin Maria 13 gewonnen. Die Konsequenzen einer solchen Wahl sind zum einen ganz positiv, da die Bürgermeisterkandidaten kurz vor der Wahl die Straßen im Bairro planieren lassen, und seit der letzten Wahl fährt der Bus zum meistbesuchten Strand auf einer wunderschönen neuen Teerstraße. Zum Anderen bedeutet eine neue Prefeitura (Stadtverwaltung) auch, dass jeder, der im öffentlichen Dienst angestellt ist und somit von der Prefeitura bezahlt wird, einen Test ablegen muss, ob er oder sie über genügend Fachwissen in seinem Tätigkeitsfeld verfügt. So mussten alle Professoras und Küchenangestellten von SEARA diesen Test ablegen und es steht jetzt noch nicht fest, wer bleibt und wer geht und auch nicht, wie viel Geld und wie viele Stellen die Prefeitura für nächstes Jahr zur Verfuegung stellt, weswegen die Planung für den Jahresbeginn sehr schwierig ist.

Aber was ist mir neben SEARA in den vergangenen drei Monaten passiert? Als im Oktober Max' Eltern drei Wochen zu Besuch hier waren, haben wir verschiedene Touren in die Umgebung unternommen. Mit dem Boot über Nacht nach Allenquer und am nächsten Morgen von dort in einem kleinen Taxi mit 7 Mann zwei Stunden über eine Staubstraße in schlechtestem Zustand in das "Vale do Paraíso", wo man bis zu 70 Meter hohe Wasserfälle bestaunen und eine achtstündige Tour durch den Urwald machen kann. Gesagt, getan. Am Abend dann sind wir auf der Ladefläche eines Pick-Ups zurück in die Stadt zum Hafen und wieder mit dem Boot über Nacht nach Santarém direkt zur Arbeit gefahren.

In einem anderen Ort haben wir ein anderes Mal eine Art Mammutbaum besucht: Bäume, die breiter als ein Haus sind, einfach nur gewaltig. Landschaftlich hat die Gegend zur Zeit auch noch ihre berühmten Strände am Tapajós zu bieten, die in der Regenzeit alle überflutet sind, aber im Moment mit ihren ewig langen weißen Sandstränden wie direkt aus dem Reiseprospekt aussehen. Die Umgebung ist schön, auch in Santarém, obwohl die Straßen staubig und von Müll gesäumt sind. Überall stehen einfach riesige Mangobäume und Palmen, und das Grün ist immer gegenwärtig. So wie die Hitze, denn im Gegensatz zu meinem ersten Eindruck ist es verdammt warm hier und die Luftfeuchtigkeit durch die Nähe zum Fluss extrem hoch. In den ersten drei Wochen habe ich Ströme schon bei der geringsten Arbeit geschwitzt und mir nicht nur einmal einen ordentlichen Sonnenbrand geholt. Das passiert mir zwar immer noch, aber wenigstens kann ich nachts wieder schlafen ohne Angst haben zu müssen, in meinem eigenen Schweiß zu ertrinken, seitdem ich mir eine Hängematte gekauft habe. Aber jetzt wird es ja langsam etwas kühler. Wenn die Regenzeit im Januar anfängt, haben wir vielleicht auch mal nur 28- 30 Grad im Schatten und dann tagelang anhaltenden Regen. Mit diesen gemütlichen Aussichten möchte ich meinen ersten Zwischenbericht beenden und einen warmen Gruß ins kalte Deutschland schicken.
Mit einem herzlichen "Feliz Natal" ? "Frohe Weihnacht"!

João

Philipp, seit September 2007

Erfahrungsberichte Freiwilliger bei SEARA

Mein Name ist Philipp Czapik, ich bin 19 Jahre alt und seit September letzten Jahres Voluntário. Wo? In Brasilien, in der Stadt Santarém, die an der Mündung des Flusses Tapajós in den Amazonas liegt, im Bundesstaat Pará. Die Stadt zählt ca. 350 000 Einwohner, von denen nicht wenige in Armut leben. Vor allem viele Kinder leiden an Unterernährung und unter sehr mangelhaften hygienischen Bedingungen.

Und genau da setzt mein Arbeitgeber an: SEARA ? Associação Santarena de Estudos e Aproveitamento dos Recursos da Amazônia (Gesellschaft Santaréms zur Studie und Nutzung der Ressourcen Amazoniens). Dieses bereits in den achtziger Jahren infolge einer Studie ins Leben gerufene Projekt unterhält am Rande des Armutsviertels Uruará eine Kindertagesstätte für unter- und mangelernährte Kinder von ca. 1 bis 5 Jahren. Das Ziel: Die Kinder vor den mitunter gravierenden Folgen der Unterernährung zu bewahren und ihnen so faire Chancen für ihre Zukunft zu ermöglichen. Außerdem geht es darum, den Familien zu helfen, ihre Situation zu verbessern oder gänzlich einen Weg aus der Armut zu finden und Aufklärung zu betreiben. So allgemein das auch klingen mag, ist es leider auch gemeint, da in sehr vielen Sektoren Unwissenheit herrscht, v.a. in den Bereichen Ernährung, Hygiene und Familienplanung.

Die Kindertagesstätte nennt sich Centro Educacional João-de-Barro, benannt nach einem Vogel, der fremde Vogelkinder bei sich im Nest aufnimmt, um sie groß zu ziehen. Und eben in diesem Nest arbeite ich seit nunmehr vier Monaten als Freiwilliger. Wie muss man sich die Arbeit hier vorstellen? Vor allem geht es darum, die Kinder zwischen 9 und 16 Uhr zu beschäftigen und unterrichten (Aufsicht wird länger gewährleistet) und sie mit vier ausgewogenen Mahlzeiten zu versorgen. Natürlich gestalten wir auch besondere Tage mit den Kindern thematisch, feiern Feste, machen Ausflüge usw.

Der zweite große Teil der Arbeit findet in den Familien bzw. mit den Eltern statt: SEARA bietet regelmäßig Berufsbildungskurse an, Vorträge und Informationsveranstaltungen. Einmal monatlich finden außerdem Elternversammlungen statt, und mindestens zweimal im Jahr besuchen die Mitarbeiter von SEARA die Familien zuhause.

Wie muss man sich nun den Beitrag eines Voluntários zu dieser Arbeit vorstellen? Ganz allgemein tun wir Freiwilligen in unserer Arbeitszeit alles, damit die Arbeit von SEARA gut funktioniert und - mindestens genauso wichtig - um diese zu bereichern. Konkret sind damit ganz verschiedene Arbeitstätigkeiten verbunden: Im normalen Tagesbetrieb geht es morgens um 6 Uhr damit los, die Gruppenräume der Kinder zu putzen, im Sandkasten zu harken usw. Geputzt werden muss gleich mehrmals täglich (z.B. auch im Speiseraum oder Waschraum). Nicht nur weil die Kinder natürlich kleine Profis im Kleckern sind, sondern vor allem weil die Kindertagesstätte direkt an einer staubigen Straße liegt, von der sehr viel Schmutz in unsere Räume hineingeweht wird. Und dann gab es bisher verschiedenste weitere Aufgaben für mich: In der Küche mithelfen (Gemüse und Obst schälen und schneiden, Geschirr abtrocknen etc.), den SEARA-Garten wässern und pflegen, bei den Mahlzeiten der Kinder mithelfen (Geschirr/Töpfe verteilen, Essen auf die Teller auftun, den Kindern beim Essen helfen bzw. dazu animieren), Nahrungsspenden und Einkäufe an ihre Bestimmungsorte tragen oder einsortieren, bei Elternkursen den reibungslosen Ablauf gewährleisten und die Eltern mit Material, Speisen usw. versorgen, Dekoration anbringen oder abnehmen, kleinere Reparaturen oder Erneuerungen am Haus machen, ab ca. 15:45 Uhr die Kinder beaufsichtigen oder beschäftigen, bis sie von ihren Eltern oder Geschwistern abgeholt werden, Hausbesuche machen oder begleiten, Berichte für unsere deutschen Patenfamilien anfertigen (d.h. vorher Mütter und Betreuerinnen befragen, Fotos schießen usw.), Präsentationen für Festivitäten vorbereiten, samstagvormittags mit den älteren Geschwistern unserer Kinder Lieder singen, lesen, Aktions-, Konzentrations- und Brettspiele spielen, tanzen und vieles mehr, Gäste oder sogar einen freien Fernsehjournalisten durch die Einrichtung, durch die nähere Umgebung oder durch die Stadt führen und den deutschen Förderverein SEARA e.V. mit Informationen versorgen. Diese Liste könnte man noch eine ganze Weile so weiterführen. Jedenfalls ist das alles ein ziemlich weites Beschäftigungsfeld, so dass ich mich über Langeweile oder Eintönigkeit wohl kaum beklagen kann.

Doch das ist nicht das einzige, was meinen ?Anderen Dienst im Ausland? (ADiA) hier so besonders macht. Denn ich habe bereits zuvor meinen Zivildienst in Deutschland abgeleistet (v.a. um das notwendige Geld zusammenzusparen), was mir ermöglicht, die Rolle eines "Zivis" an den verschiedenen Standorten recht gut zu vergleichen. Und es ist nunmal so, dass die breite Masse der Zivildienstleistenden in Deutschland maximal einen Stand knapp über dem Praktikanten und unter dem Hilfshausmeister einnimmt. Welch ein Respekt und welch eine Verantwortung uns im Gegensatz dazu hier zugetragen wird, war für mich zunächst schier unglaublich: Wir sind gemeinsam mit unserer Chefin und einem Mitarbeiter die einzigen, die einen Schlüssel zur Einrichtung haben und den Code für die Alarmanlage kennen und sind gegebenfalls auch dafür verantwortlich, Schlüssel für Räumlichkeiten herauszugeben. Und genauso setzt sich die Verantwortung in unserem Arbeitsalltag fort: Es wird viel Wert auf unsere Meinung gelegt, unsere Arbeitseinteilung wird respektiert (solange alles rechtzeitig fertig ist), und wir können selbst stark darauf Einfluss nehmen, in welchem Arbeitsbereich wir tätig sein wollen - manche Dinge gehören natürlich auch einfach notwendigerweise mit dazu. Doch das ist immer noch nicht alles, was meinen Dienst hier so besonders macht. Es sind auch die Mitarbeiter, die mich hier mit offenen Armen empfingen, mit denen man sich zum Grillen trifft oder auch mal zum DVD-Schauen. Die man um Hilfe fragt, wenn die Hose ein Loch hat, die einen am Wochenende mit zu Verwandten nehmen, die aber auch gern anrufen können, wenn an Feiertagen oder am Wochenende Arbeit bei SEARA anfallen sollte oder wir unsere Pause um die Mittagszeit kürzen müssen. Denn unser "Zivihaus", das von SEARA gestellt ist, liegt auf derselben Straße nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Es hat alles, was man braucht, und mehr: ein Badezimmer mit Dusche und Toilette (hier alles andere als Standard), eine Küche mit Kühlschrank, Herd, Ofen und Spüle, ein Einzelzimmer für jeden der drei Voluntários, genügend Haken, um Hängematten aufzuhängen, ausreichend Ventilatoren und für mich sehr wichtig: einen Garten hinter und eine Grünfläche vor dem Haus, die ich in Absprache mit den anderen Voluntários nach Herzenslust bewirtschaften kann, was mir viel Freude bereitet, aber auch nicht wenig Zeit beansprucht. Alles in Allem genieße ich also eine Arbeitsstelle und ein Umfeld, für das ich sehr dankbar bin und das bei mir kaum Wünsche offen lässt. Und das alles sind mehr als genug Gründe, mich auf meine übrigen acht Monate hier zu freuen!

Jens (Leo), September 2003 bis September 2004

Santarém, 20. Dezember 2003

Oi amigos,

ich bin jetzt schon eine ganze Zeit in Santarém und habe schon einen ersten Eindruck der Arbeit in Joao de Barro erhalten können. Diese Woche haben wir Hausbesuche in den Familien gemacht. "Geh mit und schau gut hin. Du wirst etwas von der Realität der Kinder sehen, und das wird dir dabei helfen, deine Arbeit hier zu verstehen." Mit diesen Worten schickte mich Lenice, die Leiterin der Kindertagesstätte, heute morgen los, zusammen mit den Profesoras Josete und Rosanna.

Es ist heiß, die Sonne brennt schon hell. Ein mexikanischer Sombrero und ein kaputter Regenschirm sind unsere einzigen Schutzschilde gegen die Strahlen. Der Plan besteht darin, die Situation der Kinder zu prüfen: wie das Essen und das Haus aussehen, wie es um die Hygiene bestellt ist. Josete hat eine Liste mit Namen und Adressen erstellt, die wir nun ablaufen.

Die erste Adresse befindet sich im Stadtviertel "Area Verde", einem gerade neu entstehenden, wuchernden Teil. Menschen kommen hierher und besetzen Land; ohne Legitimation bauen sie ihre Häuser; ein Viertel entsteht, dessen Existenz nirgendwo vermerkt ist und dessen Zukunft unsicher ist. Sie liegt in den Plänen der Regierenden und ihrem Willen. Dies schafft eine Atmosphäre der Unbeständigkeit, Vergänglichkeit.

Es ist ein langer Weg bis dorthin, der uns dazu zwingt, die große asphaltierte Straße zu verlassen und auf kleine, hügelige Sandpfade auszuweichen. Immer wieder ist der Weg unklar, wir halten um nachzufragen. Eine große Fabrik säumt unseren Weg: Riesige Bündel von Baumstämmen werden hier hineintransportiert und dort zu Brettern verarbeitet. Die Waldrodung dauert an; sont hätte hier niemand ein Dach überm Kopf: Die Häuser sind Bretterverschläge... Die Armut des Viertels macht sich sofort bemerkbar: kaum Autos, oft nicht mal Fahrräder. Die Menschen sind abgemagert, viele Gesichter von Krankheit gezeichnet. Kinder jeden Alters laufen nackt und schmutzig in den Straßen umher.

Wir erreichen das erste Haus, auf einem Hügel gelegen; etwas Wind verschafft Kühlung, wirbelt aber auch Staub auf, der am nassen Gesicht haften bleibt. Zunächst denke ich, es handle sich um eine Kirche: Glasreste wurden zu einem Fenster bunt zusammengestückelt. Ein Haus mit solchen Fenstern lässt auf Wohlstand schließen - und so ist es dann auch: Die Situation scheint nicht sehr ernst zu sein; Wir plaudern, trinken Kaffee und fragen beim Weitergehen noch, ob die Familie Multimistura(*) benutzt und der Sprössling wohlauf ist.

Nun der Weg zu Lukas Haus. Er ist ein ernster, dürrer Junge, der jeden Morgen dreckverschmiert in der Creshe (Tagesstätte) ankommt und meist apathisch dasitzt, teilnahmslos, von der Welt vergessen. Das Haus steht neben vielen anderen, die verlassen und verfallen sind, Staubschwaden durchziehen die Luft. Unsicherheit: Ist es das richtige? Ja, aber die Eltern sind nicht da. Rosanna klatscht in die Hände, vier kleine schmutzige Gestalten öffnen die Tür. Die Kinder führen uns durch die zwei Zimmer, Wäsche liegt überall herum, der Fußboden besteht aus einer Dreckschicht, überall Staub, der im Hals kratzt. Wir sind nun im Garten, in dem Maschinen zur Herstellung von Farinha (*²) stehen.
Rosete stellt geschickte Fragen, die Kinder erzählen arglos von ihrer Situation: Die Mutter arbeitet irgendwo, niemand weiß, bis wann, auch nicht, ob es heute noch etwas zu essen gibt. Die einzige Klarheit besteht darin, dass sie keine Multimistura benutzen, sie besitzen keine. Für Lukas ist der Vater gestorben; er schlug und vergewaltigte die Mutter, wenn er trank. Nun ist er abgehauen, im Kopf der Mutter gestorben. Die Kinder zeigen uns noch ihre Schildkröte, dann machen wir uns auf den Rückweg zur Creshe.

Wir haben nur zwei Familien geschafft. Es ist Mittag, die Sonne brennt. Das Arbeitspensum ist groß, und dass mein Tag nun schon um 5 Uhr morgens beginnt, ist auch eine eher neue Erfahrung für mich. Wenn dann aber eins der Kinder mit einem strahlenden Lachen, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe, auf mich zu gerannt kommt und verlangt auf den Arm genommen zu werden, dann denke ich, dass es keine schönere und direktere Anerkennung gibt.

Ich bin also glücklich, hier zu sein und freue mich auf die weitere Zeit. Nur das "Weihnachtsgefühl" lässt dieses Jahr auf sich warten: Kein Wunder, ich fahre gleich zum Strand...

Euer Leo

(*) Multimistura: ein Pulver zur Nahrungsergänzung, entwickelt von SEARA, das aus einfach zu beschaffenden Rohstoffen des Amazonasgebietes hergestellt wird; Bestandteile sind z.B. getrocknete und zerriebene Maniokblätter und Eierschalen.

(*²) Farinha: das geröstete Mehl der zermahlenen Maniokwurzel, das hier sehr viel gegessen wird.

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